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Kinder-Garten im Kindergarten. Gemeinsam Vielfalt entdecken!

Crashkurs „Pflege im Natur-Erlebnis-Garten“

Bei der Umgestaltung unseres Außengeländes im Gelnhäuser Waldorfkindergarten) war Im Herbst 2015 ein großes Etappenziel erreicht: Knapp 200 Tonnen Steinerde, Schotter und Kompost waren endlich an ihrem Bestimmungsort angekommen und auch die letzte heimische Blumenzwiebel verschwand in der Erde. Jetzt hieß es warten. Warten, auf das Anwachsen und Blühen von 865 Blumenzwiebeln, 784 Stauden, und 95 Gehölzen. Neugierig reckten wir die Hälse, als sich dann im Frühjahr tatsächlich die ersten Knospen ihren Weg bahnten. Ehe wir uns versahen, blühte es. Höchste Zeit, für eine Bestandsaufnahme und einen Crashkurs in Sachen Natur-Garten-Pflege!

  • Alles grünt und blüht rund um die Villa, in der der Kindergarten untergebracht ist
  • So haben es die Blume leichter: Einzelne Beete wurden zum Anwachsen vorübergehend umzäunt
  • Die Wiesen-Witwenblume lockt Rotwidderchen, Bienen, Schmetterlinge und Käfer in den Natur-Erlebnis-Garten
  • Was ist was? Wildkraut oder Beikraut? Die Eltern lernen die verschiedenen Pflanzen zu bestimmen
  • Nur wenigen Stauden ist das Anwachsen nicht gelungen. Dann muss noch mal nachgepflanzt werden

„Grüne Daumen“ sind auch immer ein bisschen Kopfsache

An einem „Gartenpflege-Tag“ im Frühjahr 2016 macht unsere Landschaftsarchitektin Dorothee Dernbach die Eltern und Erzieher noch einmal auf die Besonderheiten des Natur-Erlebnis-Gartens aufmerksam: „Bei der Pflege gibt es zwar grundsätzlich weniger zu tun, dennoch sind einige Dinge zu beachten“, erklärte Dernbach. Da wäre zum Beispiel die Sache mit den Wiesenflächen: „Wir mähen nur noch zweimal im Jahr. Das Schnittgut bleibt drei Tage liegen und ‚heut‘. Nur so können sich die Samen wieder aussäen“. Auch das Jäten unerwünschter Wucher-Pflanzen mitsamt der Wurzel ist wichtig.

Ist das die Witwenblume oder kann das weg?

Die sprichwörtliche „Spreu vom Weizen zu trennen“, ist in einem Naturgarten ebenso notwendig wie in jedem anderen Garten. Nur schwieriger. Schließlich sind Selbstaussaaten erwünscht und so manches wilde Kraut unbekannt. „Die verwendeten Wildpflanzen sind aus den meisten Gärten längst verschwunden. Sie richtig zu bestimmen, ist gar nicht so einfach“, bemerkten die Eltern bei einem Rundgang durch den Garten. Feine Nuancen gilt es zu erkennen. Die Blätter des Löwenzahns beispielsweise sind glatt. „Und die Wegwarte hat feine Haare an der Unterseite“, wussten die Mütter und Väter bald zu berichten. Viele bestätigten: „Ich hätte mich ohne diesen Workshop-Tag nicht getraut, Pflanzen zu entfernen“. Dabei ist das zu starke Ausbreiten von Pflanzen wie Löwenzahn, Disteln oder Feinstrahl auch in einem Naturgarten unerwünscht. Sie müssen „in Schach“ gehalten werden, um andere Gewächse nicht zu verdrängen.

Wie Eltern den Garten beim Gedeihen richtig unterstützen

Ziel an unserem Gartentag ist die Weitergabe von Gartenwissen einerseits; aber auch eine Bestandsaufnahme. Welche Pflanzen sind gut angewachsen? Dürfen die Tulpen in der Kräuterspirale bleiben? Natürlich nicht! In die Spirale gehören ausschließlich essbare Pflanzen. Oder: Wo müssen Stauden noch einmal nachgepflanzt werden?

Die Eltern und Erzieher, die sich um den Garten zukünftig kümmern werden, bekamen mit dem Workshop-Tag noch einmal „Starthilfe“ für ihre Gartenarbeit. Schließlich wollen sie das Erreichte richtig und regelmäßig pflegen. So gibt der Termin mit der Landschaftsarchitektin auch den Startschuss für ein Expertenteam – ein Arbeitskreis, der den Garten ab sofort regelmäßig pflegt.

„Der Garten soll seine wilde Schönheit behalten. Und wir dürfen ihm dabei helfen“, brachte eine der Erzieherinnen die künftige Herausforderung für alle auf den Punkt.

Nina Kremer, Mutter und Vorstandsmitglied im Waldorfkindergarten Gelnhausen e.V.