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Kinder-Garten im Kindergarten. Gemeinsam Vielfalt entdecken!

Hilfe – Es summt in unserem Sandkasten!

Ein Hummelnest zu beobachten ist ein seltenes Glück, doch tauchen die pelzigen Brummer im eigenen Kindergarten auf, erzeugt das gemischte Gefühle. Im Netzwerk-Kindergarten Liebfrauen in Frankfurt entstand so ein Hummelnest direkt neben dem Sandkasten. Unsere Mitarbeiterin Julia Schmack war am Hotline-Telefon als der „Notruf“ einging, was jetzt zu tun ist: Da das Projektbüro nicht weit vom Ort des Geschehens liegt, rückte sie gleich zur Ersten Hilfe aus.

Für alle anderen Netzwerk-Mitglieder hat sie zusammengestellt: Was können Sie in Ihrer Kita tun, um ein Hummelnest zu einem sicheren Naturerlebnis für Kinder und Eltern zu machen!

(Bild oben: Um das Hummelnest wird ein kleiner Zaun gebaut. Aus sicherem Abstand können die Kinder die Insekten gut beobachten.)

Können Hummeln stechen?

Obwohl Hummeln zu den sogenannten „Stechimmen“ zählen, sind sie erstaunlich friedfertig. Ihr Stachel kommt nur äußerst selten zum Einsatz und nie ohne eine deutliche Vorwarnung. Ein lautes Brummen und das Heben eines Beins sind die ersten Warnsignale. Bei anhaltender Störung dreht sich die Hummel um, denn nur auf dem Rücken liegend ist sie in der Lage zu stechen.

So machen Sie ein tolles Projekt daraus!

Wenn sich ein Hummelvolk dazu entschlossen hat, auf Ihrem Kita-Gelände zu nisten, dann ist das eine seltene und wundervolle Möglichkeit, diese Tiere mit den Kindern gemeinsam zu beobachten. Hummeln sind staatenbildende Insekten und besiedeln das Nest nur für eine Saison. Nur mit viel Glück kehrt im Folgejahr eine junge Königin zurück.

Das A und O eines Hummel-Projekts ist Aufklärung und Kommunikation. Folgende Schritte führen zur erfolgreichen Umsetzung in Ihrer Kita:

  • Erste Hilfe: Einen kleinen Zaun um das Nest bauen, z.B. eine Leiter waagerecht davorlegen

  • Kinder informieren: Ganz wichtig: Sprechen Sie mit allen Kindern in Ihrer Kita über das Hummelnest und darüber, dass die Tiere nun unter dem Schutz des ganzen Kindergartens stehen. Zeigen Sie ihnen das Nest und die Absperrung und machen Sie deutlich, dass diese Grenze von allen Kindern respektiert werden muss, solange das Nest besteht.

  • Elternbrief: Informieren Sie die Eltern über Gefahren und fragen Sie das Vorhandensein von Allergien gegen Insektenstiche ab.

  • Expertenrat: Kontaktieren Sie bei Bedarf die örtliche Naturschutzbehörde, informieren Sie sich in Büchern und im Internet und nutzen Sie Foren zur Beantwortung Ihrer Fragen.

  • Naturerlebnis: Klären Sie die Kinder über die Warnsignale der Tiere auf und vermitteln Sie ihnen, warum Hummeln unseren Schutz benötigen.

Wie können die Kinder den Hummeln helfen?

Das gemeinsame Anpflanzen von hummelfreundlichen Blütenpflanzen ist eine Aktion, bei der die Kinder gerne helfen. Dafür kann man die Tiere wunderbar beim Sammeln von Pollen und Nektar beobachten. Eine flache Schale mit Wasser hilft den Hummeln, ihren Wasserbedarf zu decken. Achtung: Auf der Wasseroberfläche müssen Korkstücke (alten Weinkorken in Stücke schneiden) schwimmen, damit die Tiere nicht ertrinken.

Ein seltenes Glück

Hummelnester sind selten geworden und kommen in der Stadt kaum noch vor. 16 von 36 Hummelarten in Deutschland stehen mittlerweile auf der Roten Liste gefährdeter Tiere in Deutschland. Hummeln benötigen ein kontinuierliches Blütenangebot. Dieses können sie kaum noch finden, da unsere Landschaften durch die intensive Landwirtschaft immer monotoner und artenärmer geworden sind.


Fleißige Freunde

Hummeln sind fleißige Bestäuberinnen unserer Kulturpflanzen. Manche Lippenblüter können nur von Hummeln bestäubt werden, weil diese schwer genug sind, um in die verschlossene Blüte einzudringen. Andere Pflanzen, wie beispielsweise Gartenmohn und Tomate, können ihren Pollen erst „herausgeben“, wenn ein Insekt die Staubbeutel in Vibration versetzt hat. Das schafft die Erdhummel allein mit ihrer kräftigen Brustmuskulatur.

Wertvolle Hummeln

Schon Charles Darwin, auf dessen Empfehlung hin im Jahr 1885 die Dunkle Erdhummel nach Australien und Neuseeland importiert wurde, um dort die Futterpflanzen zu bestäuben, wusste um den hohen ökologischen Wert der pelzigen Brummer.

Eine Gefahr für Kinder?

Viele Eltern reagieren zunächst besorgt, wenn sie von einem Hummelnest in der Kita erfahren. Obwohl die Tiere nur im äußersten Notfall stechen, muss abgeklärt werden, ob bei manchen Kindern eine Allergie gegen Insektenstiche besteht. Um sowohl die Kinder als auch die Tiere zu schützen, wird ein kleiner Zaun circa einem Meter rund um das Nest errichtet. Der Zaun ist so weit entfernt, dass die Tiere ungestört ein- und ausfliegen können und die Kinder sie dabei beobachten können. Mit dieser einfachen Absperrung wird das Hummelnest zum Mini-Schutzgebiet, welches die Neugier der Kinder weckt.

Sind Hummeln auf dem Kita-Gelände erlaubt?

In Deutschland sind Hummeln neben Wildbienen und Hornissen durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Damit ist das eigenmächtige Entfernen eines Hummelnestes sogar gesetzeswidrig. Ist eine Entfernung wirklich unausweichlich, so sollte diese von Experten durchgeführt werden. Kontaktieren Sie hierzu ihre regionale Naturschutzbehörde.

An wen kann ich mich wenden?

  • Wenn Sie eine direkte Beratung brauchen, wenden Sie sich bitte an die örtliche Naturschutzbehörde. Adresse und Telefonnummer der Behörde finden Sie im Internet.

  • Ihre Fragen können Sie auch im Forum der Aktion Hummelschutz stellen.

Wo finde ich weitere Informationen?

  • Auf dieser Internetseite wildbiene.com erfahren Sie von Artportraits über Nisthilfenbau bis Fütterung alles über Hummeln und Wildbienen.

  • In diesem Artikel der Natur- und Umweltschutzakademie finden Sie eine Liste von hummelfreundlichen Pflanzen sowie eine Bauanleitung für Hummelnistkästen.

  • Dieses Büchlein steckt voller Informationen und Bilder rund um unsere geflügelten Freunde: Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft (2009) von Helmut und Margrit Hintermeier, ISBN 978-3-87596-123-2

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