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Kinder-Garten im Kindergarten. Gemeinsam Vielfalt entdecken!

Garten-Workshop - Impressionen

Wildbienen und ihre Nisthilfen

Der erste Workshop im Rahmen des Projektes fand in der Kindertagesstätte der Evangelischen Kirchengemeinde in Langenselbold bei Frankfurt statt. Das Ziel: ein bereits vorhandenes Insektenhaus mit neuen Nisthilfen zu bestücken, da die "Mietquote" bisher recht spärlich war. Um die Artenvielfalt sowohl in der Pflanzenwelt als auch bei den Wildbienen zu unterstützen, sollten neue, angepasste Brutplätze und Nahrungsquellen für diese fleißigen Helfer geschaffen werden.

Mitarbeiterinnen der Einrichtung und Kolleginnen von Kindergärten aus dem Umkreis erhielten im Workshop einen Einblick in das Thema Biodiversität sowie in das Leben und Sterben von Wildbienen. Außerdem bauten sie für den Kindergarten vor Ort gemeinsam verschiedene Nisthilfen für Wildbienen. Alle waren sich einig: Eine Wildbienennisthilfe, kombiniert mit unterschiedlichen Blühpflanzen, bereichert den Kinder-Garten und fasziniert Klein und Groß durch Vielfalt und Aktion. Neben Wissensvermittlung und praktischer Umsetzung empfanden die Teilnehmer den Erfahrungsaustausch unter den Erzieherinnen als besonders bereichernd.

  • Los geht’s mit ein wenig Theorie: Warum sind viele Tiere und Pflanzen in Gefahr, was sind invasive Arten? Wie unterscheiden sich Honig- von Wildbienen und was hat biologische Vielfalt mit Kindergärten zu tun? Die Antwort zur letzten Frage wissen alle schon: Kinder, die Erfahrungen in der Natur machen, lernen sie kennen, lieben und schützen.
  • Praktische Grundlagen: In welchen Materialien nisten Wildbienen gerne? Hier hatte sich zum Beispiel eine Holzbiene in den Stamm gefressen. Sie ist ausgezogen, doch ihre Brutgänge wurden von einer Mauerbiene genutzt, die dort einen Platz für ihren Nachwuchs gefunden hat.
  • Ist-Zustand vom vorhandenen Insektenhaus. Kerstin Lüchow vom Naturgarten e.V. erklärt, warum es nur spärlich bewohnt ist: Die Schilfmatten sind teilweise stark ausgefranst, die Tannenzapfen und Holzwolle sehen zwar schön aus, beherbergen aber keine Insekten, der Lehm ist viel zu hart, sodass Wildbienen nicht hineinkommen...
  • ... Deshalb wird das Haus zunächst einmal ausgeräumt. Ungeeignete Materialien finden ihren Platz im Garten, geeignete Materialien verwenden wir weiter. Ausgefranste Schilfrohre bekommen beispielsweise wieder einen neuen, glatten Schnitt. Das Seminarteam macht sich außerdem daran, neue und besser geeignete Nisthilfen zu bauen.
  • Team eins schneidet markhaltige Stängel, zum Beispiel aus Sonnenblumen, Königskerzen und Holunder, auf die passende Länge und bündelt sie. Wildbienen wie die Dreizahn-Mauerbiene oder die Schwarzglänzende Keulhornbiene sind auf diese Pflanzenstängel spezialisiert und nagen einen passenden Hohlraum hinein, um ihre Brutzellen dort zu errichten.
  • Auch die neuen Schilfrohrmatten werden passend zurechtgeschnitten, gerollt und gebunden. Sie dienen je nach Durchmesser der Schilfrohrhalme allen Hohlraum nutzenden Arten, z. B. der Gehörnten oder Rostroten Mauerbiene, als Nisthilfe. Maximal 30 Brutzellen kann eine Wildbiene in ihrem kurzen Leben anlegen. Die Weibchen leben etwa vier bis sechs Wochen, die Männchen nur wenige Tage!
  • Selbst ist die Frau: Das Team der Handwerkerinnen, die verschieden dicke Löcher in die Holzklötze bohren, hat sich interessanterweise als erstes formiert. Wichtig: Das Laubholz muss trocken sein, da die Stämme sonst nicht von den Bienen besiedelt werden. Feuchtigkeit führt zur Verpilzung der Brut und zum Reißen der Hölzer, was die Fortpflanzungsrate deutlich verringern würde. Nadelhölzer dürfen nicht verwendet werden, da das Harz den Pelz der Bienen verklebt.
  • Die Oberfläche der Hölzer wird nach dem Bohren glattgeschmirgelt. Die Erzieherinnen bohren in Längsrichtung, weil die Stämme bei dieser Technik nicht reißen und viele Jahre halten.
  • Fertig. Alle Materialien sind bienengerecht bearbeitet und wieder ins Insektenhaus eingeräumt. Im nächsten Frühjahr haben die potenziellen neuen Bewohner ideale Bedingungen. Kinder und Erzieherinnen können auf Beobachtungsposten gehen.
  • Das Insektenhaus kann sogar „geimpft“ werden. Eine Workshopteilnehmerin hat ein kleines Haus mit Schilfhalmen dabei, die von verpuppten Insekten bewohnt sind. Aus den Kokons schlüpfen im nächsten Frühjahr neue Wildbienen und besiedeln sofort wieder die zur Verfügung stehenden Nisthilfen.
  • Nach zwei Stunden emsigen Werkelns sieht das Insektenhaus schon ganz anders aus. Hand in Hand ging es ganz schön rasch, neue Materialien zu bauen. Jetzt sind alle gespannt, was im nächsten Frühjahr passiert.
  • Gruppenfoto nach getaner Arbeit. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nehmen viele Anregungen und Tipps mit nach Hause. Viele haben auch die Taschen voller Samen aus dem naturnah gestalteten Außengelände der Evangelischen Kindertagesstätte Langenselbold. Hier gibt es schon sehr viele heimische Wildpflanzen, die den Wildbienen im kommenden Frühjahr neben einer schönen Wohnung einen reich gedeckten Tisch bieten.